Warum D’fair Mëllech?

Die Milchkrise

Die Landwirtschaft im Allgemeinen und der Milchsektor im Besonderen befinden sich in einer der schlimmsten sektoriellen Krisen seit Jahrzenten. So sehen sich die Milchbauern gezwungen, ihre Produkte unter dem Gestehungspreis zu verkaufen. Im Moment liegt der Verkaufspreis von einem Liter Milch in der Regel um 10 Eurocent unter dem Gestehungspreis.

Ohne die nationalen und europäischen Unterstützungsmaßnahmen hätte der gesamte Sektor keine Überlebenschance mehr und viele Landwirtschaftsbetriebe hätten schon aufgegeben.

Die Gemeinsame europäische Agrarpolitik (GAP)

Die schon in den EWG-Verträgen von 1957 festgeschriebene Gemeinsame europäische Agrarpolitik (GAP) sollte die Entwicklung des ländlichen Raumes durch die Modernisierung der landwirtschaftlichen Betriebe, die Qualitätssicherung bei Nahrungsmitteln und die Schaffung alternativer Beschäftigungsmöglichkeiten im ländlichen Raum sichern.
In Erinnerung an die Lebensmittelknappheit und den Hunger nach dem Zweiten Weltkrieg lag ihr Ziel darin, die landwirtschaftliche Produktion zu steigern, angemessene Einkommen in der Landwirtschaft zu sichern, die Verbraucher ausreichend mit Nahrungsmitteln zu vernünftigen Preisen zu versorgen und die Märkte zu stabilisieren.
Ab 2013 wird die Gemeinsame europäische Agrarpolitik neugestaltet. Ziel ist eine „grünere“ Agrarpolitik mit stärker harnonisierten Direktzahlungen. Eine umweltfreundlichere, gerechtere, effizientere und wirkungsvollere Landwirtschaft soll zukünftig verstärkt gefördert werden, nicht-nachhaltige Tendenzen sollen abgebaut werden.

Grundlage der Agrarförderung soll weiterhin eine entkoppelte, an die Erfüllung der Cross Compliance gebundene Basisprämie bilden. Diese soll für alle Landwirte in einem Mitgliedstaat oder einer Region einheitlich sein. Der Prämienanspruch bleibt individuell und muss über entsprechende Flächennachweise aktiviert werden. Die Abstände der Betriebsprämien zwischen den Mitgliedstaaten sollen verkleinert, das Prämienvolumen pro Betrieb begrenzt werden.

Durch die zweite Fördersäule, EU-weite einheitliche Zuschläge für besondere Umweltleistungen, die über die Cross Compliance hinausgehen, soll die ökologische Komponente gestärkt werden. Diese „Ökologisierungskomponente“ soll u.a. für den Erhalt von Dauergrünland, eine Begrünung im Winter, Fruchtfolgen und eine ökologische Flächenstilllegung gewährt werden.

Dritter Bestandteil des Prämiensystems ist ein Ausgleich für Gebiete mit „besonderen natürlichen Einschränkungen“. Dieser soll als Zuschlag auf Beihilfen gewährt werden, die Landwirte im Rahmen der 2. Säule erhalten.
Durch die neue Gemeinsame europäische Agrarpolitik werden die Einkommenssysteme der Landwirtschaft neu definiert, zusätzlich werden durch die Preiskopplung an Dollar und petrochemische Produkte die Produktionskosten in die Höhe schießen. Außerdem führt der freie Markt zu einem weiteren Überangebot an landwirtschaftlichen Produkten und öffnet somit einem freien Fall der Verkaufspreise sowie der Spekulation Tür und Tor.

Nicht-nachhaltige Tendenzen in der traditionellen Landwirtschaft

Landwirtschaft ist ein vom „Bauer“, dem Experten auf dem Gebiet, gesteuerter Ablauf von äusserst komplexen, ineinandergreifenden biologischen Prozessen im Boden, in der Pflanze und im Tier bis hin zur Gewinnung von quantitativ und qualitativ marktfähigen Produkten.

Mit steigender wirtschaftlicher Produktivität und dem direkten und indirekten Einsatz von immer höheren Mengen an Fossilenergie in der Landwirtschaft wurde unsere Nahrungsmittelproduktion zu einer der energieintensivsten und daher energieabhängigsten, monolithischen Wirtschaftssektore. Mit der Verknappung und Verteuerung des Rohöls wurden Lebensmittel zu Luxusgütern, wobei der Preisdruck auf die Primärproduzenten, die Bauern, noch unerträglicher werden wird. Parallel dazu ist der Arbeitsdruck gestiegen und die Tierhaltung, Umwelt, Biodiversität und die Natur allgemein haben ungemein gelitten.

Fazit: das westliche und damit auch das luxemburgische Landwirtschaftsmodell hat sich immer mehr von der biologischen Effizienz entfernt und ist heutzutage alles andere als nachhaltig.